Die Folgen des russischen Krieges gegen die Ukraine hatten auch 2023 erhebliche Auswirkungen auf unsere Arbeit und unsere Hilfen für die betroffenen Überlebenden vor Ort. Wir waren mit vielen in ständigem Kontakt und erkundigten uns nach ihrer Lebenssituation und ihren Bedürfnissen. Wir versuchten die oftmals verzweifelten und gestressten Menschen zu trösten. Gleichzeitig ließen wir ihnen schnellstmöglich die benötigten finanziellen Unterstützungen zukommen. Dafür wendeten wir rund 155.000 € auf.
Im Auftrag des Kolbe-Werks besuchte unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Andrea Beer, (ARD-Korrespondentin in der Ukraine) im Laufe des Jahres 2023 Überlebende zu Hause und übergab ihnen persönlich unsere Beihilfe.
Mehrmals besuchte sie den 99-jährigen und fast blinden Dachau-Überlebenden Vasyl V. Er wird von seiner Tochter Vera L. zu Hause in einem Dorf am Stadtrand von Kiew gepflegt. Wir unterstützen ihn regelmäßig, weil er gesundheitlich angeschlagen ist und teure Medikamente benötigt, zudem war er im Herbst 2022 gestürzt und hatte sich mehrere Rippenbrüche und Prellungen zugezogen. Der nach Misshandlungen im KZ ohnehin unter schweren Wirbelsäulenproblemen Leidende konnte nach dem Sturz sein Bett über Monate nicht verlassen und jede Bewegung bereitete ihm Schmerzen. Die Tochter musste oftmals den Arzt zu Hausbesuchen rufen und dafür viel bezahlen, denn Arztbesuche bei den Patienten zu Hause sind in der Ukraine nicht üblich und keine Leistung der staatlichen Krankenversorgung.

Vasyl V.
(c) Andrea Beer
In der Stadt Saporishshja lebt die in Ravensbrück geborene Evgenija B. Die ehemals korpulente Frau ist mittlerweile durch ihre schwere Erkrankung stark abgemagert und geschwächt. Sie wohnt im oberen Stockwerk eines Hochhauses. Sie kann ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Der Aufzug darf wegen Raketen- und Drohnenangriffen oftmals nicht benutzt werden.

Evgenija B.
(c) Andrea Beer
Evgenija B. wird von ihrem Sohn versorgt und gepflegt. Er ist berufstätig; so bleibt sie viele Stunden allein in der Wohnung. Den Blick aus dem Fenster versperren ihr die zum Schutz der Fensterscheiben aufgeklebten Streifen. In früheren Jahren war sie unsere zuverlässige Helferin bei der Organisation von Gästegruppen nach Deutschland oder Kurgästegruppen. Jetzt braucht sie selbst Hilfe. Das Maximilian-Kolbe-Werk unterstützt Evgenija B. finanziell, da sie permanent auf teure Medikamente angewiesen ist.

Blick aus dem Fenster
(c) Andrea Beer

Ludmila Sukovata mit dem KZ-Überlebenden Nikolaj M.
Ludmila Sukovata von unserer Partnerorganisation „Verständigung und Toleranz“ aus Rivne (Foto oben) besuchte in unserem Auftrag viele Überlebende und verteilte Medikamente (Foto unten) und überwies innerhalb der Ukraine unsere Geldbeihilfen. Aus vielen Telefongesprächen mit ihr wissen wir, dass es viel Kraft erfordert, unter den schwierigen Kriegsbedingungen zu leben und noch anderen zu helfen. Frau Sukovata erzählte uns von den Sorgen und Ängsten ihrer Landsleute: „Welche Gesundheit können unsere Leute haben, wenn es Tag und Nacht keine Ruhe gibt? Beim Alarm bleiben die meisten Überlebenden in ihren Wohnungen. Sie haben nicht die Kraft, in den Luftschutzbunker zu gehen. Viele von ihnen erlitten seit Kriegsbeginn Herzinfarkte und Schlaganfälle. Sie benötigen ständig Medikamente und Hygieneartikel, die in Apotheken sehr teuer sind. Dieser Krieg bereitet allen ukrainischen Familien große Sorge und Trauer. Am härtesten betroffen dran sind die Alten, die doch schon den Schrecken des Zweiten Weltkriegs erlebt haben.“

Belana S. mit Medikamenten vom Kolbe-Werk




