
Der Preisträger Zenel Drangu mit Peter Weiss und Bischof Meier
Das Maximilian-Kolbe-Werk und die Maximilian-Kolbe-Stiftung haben zum zweiten Mal den Maximilian-Kolbe-Werks-Preis verliehen. Die Preisverleihung fand auf der Jahrestagung beider Organisationen im polnischen Oświęcim statt.
Mit dem Maximilian-Kolbe-Werks-Preis wurde Zenel Drangu (Albanien) ausgezeichnet. Zenel Drangu war 15 Jahre in das berüchtigte Arbeitslager Spaç im stalinistischen Albanien eingesperrt und hat in den letzten Jahren zusammen mit Mitstreitern dafür gesorgt, dass in Spaç eine Gedenkstätte entstehen konnte.
Bischof Bertram Meier, Stiftungsratsvorsitzender der Maximilian-Kolbe-Stiftung, sagte in seiner Laudatio: „Es ist ein großes Hoffnungszeichen, auf Menschen wie Zenel Drangu zu treffen. Er hat sich nie mit dem Zustand der gesellschaftlichen Gleichgültigkeit abgefunden und ist seit vielen Jahren der Vorsitzende der Gesellschaft der politischen Verfolgten und ihrer Familien in Shkoder. Seiner Beharrlichkeit, Weisheit und Kreativität ist es zu verdanken, dass die von der kommunistischen Gewalt in Albanien Betroffenen eine verlässliche Stimme haben. Was uns an Herr Drangu in besonderer Weise beeindruckt, dass er dem Hass und der Sehnsucht nach Rache nie Raum gegeben hat. Vielmehr hat er mit großer Ruhe und Umsicht Wege gesucht und gefunden, um die Fragen nach Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit im Umgang mit der Geschichte des Kommunismus wirksam zur Geltung zu bringen.“
Der Maximilian-Kolbe-Werk-Preis wird gemeinsam von Werk und Stiftung alle zwei Jahre vergeben. Ausgezeichnet werden Personen und Initiativen, die sich in besonderer Weise um die humanitäre Hilfe für die Opfer von Krieg, Menschenrechtsverletzungen, Gewalt und Terror, um deren gesellschaftliche Anerkennung sowie um Versöhnungsprozesse in Europa verdient gemacht haben.

Dr. Ursula Fox mit Peter Weiss und Bischof Meier
Mit dem Maximilian-Kolbe-Werks Ehrenpreis wurde Ursula Fox (Paderborn) ausgezeichnet. Ursula Fox engagiert sich seit Mitte der 1990er Jahre (gemeinsam mit ihrem 2012 verstorbenen Mann Ulrich Fox) in allen Arbeitsbereichen des Werks, bei Erholungs- und Begegnungsaufenthalten, Erinnerungs- und Zeitzeugenprojekten, Krankenbesuchen, Begleitung von Kuren und Hilfsprojekten in den Nachfolgestaaten der früheren SU.
Peter Weiß, Vorsitzender des Maximilian-Kolbe-Werks und der Maximilian-Kolbe-Stiftung, sagte in seiner Laudatio: „Bis heute werden Ursula und Ulrich Fox von den Betroffenen, denen sie begegnet sind, hochgeschätzt und verehrt. Beide engagierten sich in herausragender Weise für Menschen, die unter der NS-Herrschaft gelitten haben. Eines ihrer besonderen Verdienste ist, dass sie dazu beigetragen haben, den einstigen Opfern ihre Namen zurückzugeben und ihr Schicksal bekanntzumachen.“
Die Preisträgerin nahm den Preis mit Freude an und sagte: "Ich freue mich sehr über die Anerkennung meiner ehrenamtlichen Arbeit durch den Maximilian-Kolbe-Werk-Ehrenpreis. Diesen Preis nehme ich gerne entgegen, aber nicht für mich alleine. Wir sind viele und wir alle sind und waren mit ganzem Herzen dabei."

Maria Stroińska 1932 - 2025
Bild: KNA
Wir haben die traurige Nachricht erhalten, dass die polnische Auschwitz-Überlebende Maria Stroińska am 4. August 2025 im Alter von 92 Jahren in Warschau verstorben ist. Seit 2005 kam sie über etliche Jahre als Zeitzeugin ins Bistum Mainz und berichtete in vielen Schulklassen über ihr Schicksal während der deutschen Besetzung Polens.
Maria Stroińska wurde am 31. Dezember 1932 in Warschau geboren. Der 1. September 1939, der Tag des Kriegsbeginns, war auch Maria Stroińskas erster Schultag. In die von Ordensschwestern geführt Schule ging sie bis Juni 1944. In den ersten Tagen des Warschauer Aufstands im August 1944 wurde ihr Vater von den Deutschen erschossen und ihre Mutter angeschossen. Maria hatte zwei Stiefschwestern und zwei Stiefbrüder. Einer der Stiefbrüder war in einem Lager in Oranienburg inhaftiert. Außerdem hatte sie eine leibliche Schwester, die vier Jahre älter war. Diese wurde im September 1944 inhaftiert und in das KZ Neuengamme deportiert; sie überlebte das Lager.
Maria wurde während des Warschauer Aufstands verhaftet und im Lager Pruszków interniert, bevor man sie in am 12. August 1944 in das Konzentrationslager Auschwitz deportierte, wo sie inhaftiert blieb bis zum 17. Januar 1945. Von dort wurde sie nach Blankenburg deportiert, wo sie bis Kriegsende zur Enttrümmerung einer Süßwarenfabrik eingesetzt wurde. Im Mai 1945 kehrte sie nach Warschau zurück und fand dort ihre Mutter wieder, die damals schwer krank war. Maria arbeitete bei der Enttrümmerung der Stadt mit und ging weiter zur Schule. Später studierte sie Pädagogik und wurde Lehrerin. Sie heiratete und bekam eine Tochter und zwei Enkelkinder. Die Tochter wurde auch Lehrerin und unterrichtete Deutsch an einem Gymnasium.
Maria Stroínska war Zeit ihres Lebens ehrenamtlich tätig, meist im pädagogischen Bereich. Als Pensionärin engagierte sie sich bis ins hohe Alter im Häftlingsverband und über das Maximilian-Kolbe-Werk. Ihre pädagogische Ader wie auch ihr großes Geschick im Umgang mit jungen Menschen war bei den Zeitzeugengesprächen spürbar. Sie hatte eine fröhliche, liebenswürdige Art, strahlte aber auch eine gewisse Strenge aus. Präzision in dem, was sie sagte, war gepaart mit einem hintergründigen Humor.
Wir sind dankbar für ihr Engagement und werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

Maria Stroińska mit Schülerin
Bild: KNA

Werner Müller
1936 - 2025
Das Maximilian-Kolbe-Werk trauert um seinen langjährigen Mitstreiter, Werner Müller, der am 16. April 2025 im Alter von 89 Jahren in Köln verstorben ist.
Werner Müller war gemeinsam mit seiner Frau Margret über 30 Jahre lang eng mit dem Maximilian-Kolbe-Werk verbunden. Margret Müller begleitete 1994 in Köln eine Gruppe polnischer Überlebender. Im selben Jahr besuchte sie KZ- und Ghetto-Überlebende in Polen.
1996 begleiteten Margret und Werner Müller eine Gruppe von ukrainischen Holocaust-Überlebenden bei deren Besuch in Polen. Das MKW hatte die Ukrainer zur Begegnung mit polnischen Schicksalsgefährten nach Warschau und Krakau eingeladen. Einer der ukrainischen Teilnehmer, Pjotr Rabzewitsch, bat Werner Müller, nach dem deutschen Soldaten zu suchen, der ihn während des Krieges im Ghetto versteckt und ihm somit das Leben gerettet hatte. Müller fand die Witwe des Retters und dokumentierte das Schicksal Rabzewitschs in dem Buch "Aus dem Feuer gerissen. Die Geschichte des Pjotr Ruwinowitsch Rabzewitsch aus Pinsk." Herausgegeben und bearbeitet von Werner Müller, Dittrich Verlag, Köln 2001.
Ein anderer ukrainischer Gast war der Historiker Boris Zabarko, Vorsitzender der Ukrainischen Vereinigung der Holocaust-Überlebenden. Aus dieser Begegnung sollte sich in den Folgejahren eine intensive und fruchtbare Arbeitsbeziehung zwischen Werner Müller und Boris Zabarko und eine tiefe Freundschaft entwickeln. Müller unterstützte Zabarko bei der Übersetzung und Herausgabe einiger Werke über den Holocaust in der Ukraine für den deutschen Sprachraum. Neben einem immensen Zeit- und Arbeitsaufwand unterstützten Müllers die Finanzierung dieser Bücher durch Fundraising-Aktivitäten und über persönliche Finanzierungen. Die beiden wichtigsten Werke sind:
(1) Boris Zabarko (Hg.): Nur wir haben überlebt - Holocaust in der Ukraine. Zeugnisse und Dokumente. Dittrich Verlag, Köln 2004
(2) Boris Zabarko, Margret Müller, Werner Müller (Hg.): Leben und Tod in der Epoche des Holocaust in der Ukraine. Zeugnisse von Überlebenden, Metropol Verlag, Berlin 2019.
Um die Werke und den Holocaust in der Ukraine bekannter zu machen, organisierten Müllers Lesereisen mit Boris Zabarko in ganz Deutschland.
Parallel dazu pflegten Margret und Werner Müller intensive Kontakte zu Überlebenden in Polen. Über Jahre besuchten sie Betroffene zu Hause und dokumentierten deren Schicksale. Auf Bitten der damaligen Geschäftsführerin Elisabeth Erb übernahmen sie auch Korrespondenz mit polnischen Überlebenden. Darüber hinaus verfassten Margret und Werner Müller etliche Jahre den Weihnachtsbrief, den das Kolbe-Werk den Überlebenden nach Polen schickte.
Durch ihre Aktivitäten bauten Müllers lebendige Kontakte zu zahlreichen Überlebenden in Polen und zu deren Familien auf. Zwischen 1995 und 2019 schrieben Margret und Werner Müller rund 7.000 Briefe an KZ- und Ghetto-Überlebende nach Polen, aber auch nach Belarus und in die Ukraine.
Anlässlich des 25-jährigens Bestehens des MKW bearbeitete Werner Müller gemeinsam mit Elisabeth Erb die Anthologie von Zeitzeugenberichten "Maximilian-Kolbe-Werk (Hg.), Fragt uns, wir sind die letzten… Zeugnisse von Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrationslager und Ghettos." Freiburg 1998.
2006 gab Werner Müller die Erinnerungen des polnischen Auschwitz-Überlebenden Michał Ziółkowski „Ich war von Anfang an in Auschwitz“ für den deutschen Sprachraum heraus. Für das MKW bearbeitete er dieses Werk, das das MKW 2009 als Broschüre unter demselben Titel herausgab.
Werner Müller blieb in den Jahrzehnten seines Engagements ein selbstloser und bescheidener ehrenamtlicher Mitarbeiter, der kein Aufheben um seine Person machte. Sein Engagement und die Menschen, für die er sich einsetzte, standen für ihn im Vordergrund. Das Maximilian-Kolbe-Werk verneigt sich dankbar vor Werner Müller. Wir werden ihm in unseren Herzen ein ehrendes Andenken bewahren.

Das Maximilian-Kolbe-Werk (MKW) trauert um seinen früheren Präsidenten Dr. Bernhard Vogel, der am 3. März 2025 im Alter von 92 Jahren verstorben ist.
Als das Maximilian-Kolbe-Werk 1973 gegründet wurde, war Bernhard Vogel Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (1972-1976). Für den christlichen Politiker war die Aussöhnung mit Polen eine zentrale Aufgabe der Katholiken in Deutschland. Darum setzte er sich gemeinsam mit ZdK-Generalsekretär Dr. Friedrich Kronenberg für die Gründung des Werks und die Unterstützung der KZ-Überlebenden aus dem Geist der Versöhnung ein.
Von 1984 bis 1992 wurde Bernhard Vogel schließlich Präsident des Maximilian-Kolbe-Werks. Zu Beginn seiner Amtszeit organisierte das MKW noch umfangreiche humanitäre Hilfslieferungen nach Polen, die bis 1988 andauerten. Ab Mitte der 1980er Jahre baute das MKW die Einladungen von polnischen Überlebenden zu Tagen der Erholung und Begegnung nach Deutschland aus, zu denen jährlich bis zu 800 Gäste kamen, die in Kooperation mit Klöstern, Caritasverbänden oder privat untergebracht und ehrenamtlich betreut wurden.

Bernhard Vogel mit Elisabeth Erb beim Besuch polnischer Überlebender 1991
(c) MKW
Im September 1987 fuhr Vogel mit einer Delegation des ZdK und Mitgliedern des MKW nach Polen. Nach dem Besuch der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau eröffnete er in Węgierska Górka das Altenheim des Maximilian-Kolbe-Werks für polnische KZ-Überlebende. Die letzten Jahre seiner Amtszeit waren geprägt vom politischen Umbruch in den Ländern Mittel-Osteuropas. Bernhard Vogel unterstützte in dieser Situation die Ausweitung der Arbeit des MKW für die KZ- und Ghetto-Überlebenden in den Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion.
Auch nach seinem Ausscheiden aus den MKW-Gremien blieb Bernhard Vogel dem MKW und seiner Arbeit eng verbunden.
Die Einladung zum 50-jährigen Jubiläum des MKW 2023 konnte er altersbedingt nicht mehr annehmen. In einem Brief zum Jubiläum schrieb er: „Voller Dankbarkeit und Hochachtung gedenke ich jener Menschen, die das Kolbe-Werk gegründet und bis heute erfolgreich weitergeführt haben. Ich wünsche Ihnen einen dankbaren Rückblick und – insbesondere was die deutsch-polnischen Beziehungen betrifft – einen mutigen Blick in die Zukunft.“

Dr. Friedrich Kronenberg
Das Maximilian-Kolbe-Werk trauert um seinen langjährigen Präsidenten Dr. Friedrich Kronenberg, der am 1. Februar 2025 im Alter von 91 Jahren verstorben ist.
Bereits bei der Gründung des Maximilian-Kolbe-Werks im Jahre 1973 war Friedrich Kronenberg als Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) aktiv beteiligt. In seiner Amtszeit als ZdK-Generalsekretär (1966-1999) hat er die Arbeit des MKW stets intensiv gefördert und durch Aktivitäten des ZdK hinsichtlich der Versöhnungsarbeit mit Polen wirkungsvoll begleitet.
Als in den 1960er Jahren auf politischer Ebene zwischen Deutschland und Polen noch Sprachlosigkeit herrschte, knüpfte das ZdK unter Kronenberg Kontakte zu katholischen Laienorganisationen in Polen und etablierte nachhaltige Gesprächsformate zwischen deutschen und polnischen Katholiken. Ein vielbeachtetes Ergebnis dieser Kontakte war die Erklärung deutscher und polnischer Katholiken 1989 zum 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs, die auch die weitere Versöhnungspolitik der Bundesrepublik Deutschland beeinflusste.
Die Republik Polen verlieh Friedrich Kronenberg 1999 für seine hohen Verdienste um die deutsch-polnische Aussöhnung das Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen.
Im Jahr 2001 wählte die Mitgliederversammlung Friedrich Kronenberg zum Präsidenten des MKW. In seiner Amtszeit bis 2009 setzte er weitere wichtige und wegweisende Impulse in der Versöhnungsarbeit.
Auf seine Initiative hin gründete das MKW 2007, unterstützt von der Deutschen und der Polnischen Bischofskonferenz, die europäisch ausgerichtete Maximilian-Kolbe-Stiftung (MKS), die weiterführende Impulse zur Versöhnungsarbeit in Europa setzen soll. Mit der Gründung der Stiftung sollten die wichtigen Erfahrungen aus der Arbeit mit den Überlebenden als Inspiration für andere Versöhnungsprozesse in Erinnerung gehalten werden. Kronenberg wurde Gründungsvorsitzender der MKS (2007-2009).
Steht das MKW in einer stellvertretenden Täter-Opfer-Beziehung, so arbeitet die MKS seit 2007 auf einer partnerschaftlichen europäischen Basis. Im Stiftungsrat sind Vertreter aus Polen, Deutschland, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Irland, Italien und der Ukraine vertreten.
„Das Maximilian-Kolbe-Werk und die Maximilian-Kolbe-Stiftung verlieren mit Friedrich Kronenberg einen Wegbereiter der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen und einen mutigen Visionär der europäischen Verständigung“, sagt Peter Weiß, Vorsitzender des Maximilian-Kolbe-Werks und der Maximilian-Kolbe-Stiftung.
Augsburger Bischof Bertram Meier neuer Stiftungsratsvorsitzender, neuer Stellvertreter Weihbischof Maciej Małyga aus Breslau/Wroclaw, Wiederwahl von Peter Weiß als Vorsitzender
Berlin, 14./15. November 2024
Seit seiner Gründung vor 50 Jahren unterstützt das Maximilian-Kolbe-Werk KZ- und Ghetto-Überlebende in Mittel- und Osteuropa. Als Folgeorganisation initiiert und unterstützt die Maximilian-Kolbe-Stiftung Versöhnungsprozesse auf europäischer Ebene. Die Stiftung, die gemeinsam von der deutschen und der polnischen Bischofkonferenz getragen wird, ist ein Beispiel für die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern.
Vom 14. bis 15. November 2024 kamen die Gremien beider Organisationen zu ihren jährlichen Versammlungen in Berlin zusammen und leiteten dabei eine neue Ära ein: In Zukunft werden in der Mitgliederversammlung des Maximilian-Kolbe-Werkes und im Stiftungsrat der Maximilian-Kolbe-Stiftung dieselben Personen vertreten sein. Ebenso wurden die beiden Vorstände durch Neuwahlen personell angeglichen. Damit können die beiden Organisationen in Zukunft in enger Abstimmung ihre Arbeit fortsetzen und Synergien nutzen.
Peter Weiß, ehemaliges MdB, wurde als Vorsitzender des Werkes und der Stiftung bestätigt. Außerdem in die Vorstände gewählt wurden Dr. Jörg Lüer (Deutsche Kommission Justitia et Pax), Steffen Feldmann (Caritas Internationalis), Gerold König (Pax Christi, deutsche Sektion), Prälat Dr. Jaroslaw Mrówczyński (Sekretariat der polnischen Bischofskonferenz), Ulrich Pöner (Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz) und Dr. Markus Ingenlath (Renovabis).
Bischof Bertram Meier, der auch die Kommission Weltkirche der Bischofskonferenz leitet, löste den emeritierten Bamberger Erzbischof Ludwig Schick als Stiftungsratsvorsitzenden ab. Von seinem Vorgänger Wiktor Skworc, emeritierter Erzbischof von Kattowitz/Katowice, übernimmt Weihbischof Maciej Małyga aus Breslau/Wroclaw den stellvertretenden Vorsitz im Stiftungsrat.

Die von ihren Ämtern als Vorsitzende des Stiftungsrat der Maximilian-Kolbe-Stiftung scheidenden Erzbischöfe em. Ludwig Schick (links) und Wiktor Skworc (rechts) mit Peter Weiß, Vorsitzender der Stiftung und des Maximilian-Kolbe-Werks
Bei der feierlichen Verabschiedung dankte Erzbischof Schick den scheidenden Mitgliedern beider Gremien für ihre teils Jahrzehnte währende Mitarbeit und ihr Engagement für Frieden und Versöhnung in Europa. Ihm selbst falle der Abschied nicht leicht, sagte der Erzbischof. "Die berührenden Begegnungen mit Überlebenden der nationalsozialistischen Terrorherrschaft und der anregende Austausch mit jungen Menschen aus ganz Europa darüber, wie wir Versöhnung schaffen können für eine bessere Zukunft in Gerechtigkeit und Frieden, haben mich inspiriert und begleitet. Dafür bin ich sehr dankbar", so der Erzbischof.
In neuer Zusammensetzung diskutierten Mitgliederversammlung und Stiftungsrat die für 2025 geplanten Aktivitäten von Werk und Stiftung. Das Maximilian-Kolbe-Werk unterstützt derzeit jedes Jahr ca. 5.000 KZ- und Ghetto-Überlebende in Polen, der Ukraine und weiteren Länder mit finanziellen Beihilfen, der Organisation von häuslicher Pflege, Essen auf Rädern und sozialmedizinischer Begleitung. Die Maximilian-Kolbe-Stiftung führt Workshops und Sommercamps zur gewaltbelastenden Vergangenheit in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau/Polen, in Spac/Albanien und in Sarajewo/Bosnien-Herzegowina durch.

Der neue Vorstand des Maximilian-Kolbe-Werks und der Maximilian-Kolbe-Stiftung: v.l.n.r. Prälat Dr. Jaroslaw Mrówczyński, Ulrich Pöner, Dr. Jörg Lüer, Gerold König, Peter Weiß und Steffen Feldmann. nicht im Bild: Dr. Markus Ingenlath

Erstmals gemeinsame Tagung der Gremien von Maximilian-Kolbe-Werk und Maximilian-Kolbe-Stiftung: Die Mitgliederversammlung des Werkes und der Stiftungsrat bei ihrer Versammlung in Berlin im November 2024

Henriette Kretz *26.10.1924
(c) Rüdiger Grölz
Wir gratulieren Henriette Kretz herzlich zu ihrem 90. Geburtstag. Seit 30 Jahren ist sie unermüdlich als Zeitzeugin im Einsatz. Ihre berührende Erzählung hat viele tausend vor allem junge Menschen erreicht. Wir wünschen Ihr alles Gute, Gesundheit und Kraft für ihren weiteren Lebensweg und ihre Mission, die Geschichte der Kinder des Holocaust nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Henriette Kretz ist Überlebende des Ghettos Sambor (heute Sambir in der Ukraine). Nach der Flucht aus dem Ghetto wurde das Versteck ihrer Familie verraten und ihre Eltern erschossen. Nach dem Krieg gelangte sie mit ihrem Onkel, dem einzigen weiteren Überlebenden ihrer Familie, nach Antwerpen.

Vasyl Volodko *22.10.1924
(c) k.naumko
Am 22.10.2024 vollendet Vasyl Volodko sein 100. Lebensjahr. Zu diesem besonderen Tag gratulieren wir Ihnen, lieber Vasyl Volodko, und wünschen Ihnen Gesundheit, Wohlergehen und Gottes Segen für die weiteren Tage Ihres Lebens! Möge Ihr Wunsch, dass der schreckliche Krieg, mit dem Russland Ihre Heimat überzogen hat, beendet wird, schnell in Erfüllung gehen.
Vasyl Volodko ist Überlebender der Konzentrationslager Dachau und Natzweiler-Struthof. Seit vielen Jahren ist ein treuer und liebenswerter Weggefährte des Maximilian-Kolbe-Werks.
Über viele Jahre hinweg hat er uns bei der Zusammenstellung von Besuchergruppen nach Deutschland unterstützt. Zudem nahm er immer wieder als Zeitzeuge an unseren Erinnerungsprojekten teil.

Der 14. August ist der Gedenktag des hl. Maximilian Kolbe, unseres Namenspatrons. Maximilian Kolbe hat sein Leben für einen Mithäftling im Konzentrationslager Auschwitz gegeben. An diesem Ort der Menschenverachtung und Grausamkeit hat er mit ungeheurem Mut und unerschütterlichem Glauben ein Zeichen der Menschlichkeit und Nächstenliebe gesetzt. Für seine Mithäftlinge ging seine Tat der Liebe weit über die Rettung eines Einzelnen hinaus. Inmitten der Qualen und der Hoffnungslosigkeit gab Maximilian Kolbe ihnen das Gefühl von Menschlichkeit zurück, den Glauben daran, dass das Gute existiert und dass moralische Grundsätze auch durch die grausamsten Henker nicht erschüttert werden können.
In einer Zeit, in der in Europa wieder ein grausamer Krieg herrscht, in der sich im Nahen Osten die Völker in unversöhnlichem Hass gegenüberstehen, brauchen wir die Botschaft des hl. Maximilian Kolbe mehr denn je. Er fordert uns auf, uns gegen den Hass zu wenden, uns für Mitmenschlichkeit, gegenseitiges Verständnis und Nächstenliebe einzusetzen. Er ist uns - auch heute, 83 Jahre nach seinem Tod - ein Vorbild und Ansporn, die Versöhnungsarbeit in seinem Namen fortzusetzen.

Eine Gruppe des Maximilian-Kolbe-Werks, unter ihnen KZ-Überlebende, in der Todeszelle von Maximilian Kolbe (Sept. 2023)
(c) KNA

Alodia Witaszek-Napierała (3.1.1938 - 16.6.2024)
(c) Stephan Dinges
Das Maximilian-Kolbe-Werk trauert um Alodia Witaszek-Napierała. Im Alter von 86 Jahren verstarb die Zeitzeugin am 16. Juni 2024 in ihrer Heimatstadt Bydgoszcz/Polen. Ihr Schicksal beleuchtet einen besonders perfiden Zug der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik: die sog. „Germanisierung“ von geraubten Kindern. Die Geschichte ihrer Kindheit macht deutlich, wie sehr die menschenverachtende Politik des NS-Regimes das Leben unzähliger Kinder in den besetzten Staaten dramatisch veränderte.
Alodia Witaszek-Napierała wurde am 3. Januar 1938 in Poznań/Polen geboren. Nach der Ermordung des Vaters und Deportation der Mutter wurde sie als fünfjähriges Kind zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Daria zur "Germanisierung" verschleppt. Nach der Internierung im Konzentrationslager und einem SS-Gaukinderheim wurde sie zur Adoption an eine deutsche Familie vermittelt. Erst 1947 kehrte sie nach Polen zurück und es begann die schwierige Zeit des Wieder-Erlernens der Muttersprache und der Rückkehr in eine fast vergessene Familie.
Der Kontakt zu ihrer deutschen Familie brach nicht ab, die polnische „Mama“ und die deutsche „Mutti“ wurden Freundinnen. Über Jahrzehnte hielten die beiden Mütter Briefkontakt. Alodias Kinder hatten schließlich eine deutsche und eine polnische Oma.
Nach dem Abitur 1956 studierte Alodia Biologie und arbeitete anschließend als Dozentin in einem Labor an der medizinischen Fakultät. Sie heiratete, bekam zwei Kinder, vier Enkel und fünf Urenkel.
2011 kam Alodia Witaszek-Napierała auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werks zum ersten Mal als Zeitzeugin ins Bistum Mainz. Seitdem war sie mehrmals jährlich in verschiedenen deutschen Städten, auch einige Male in Freiburg, als Gast an Schulen und bei öffentlichen Veranstaltungen. Mit leiser Stimme und auf zurückhaltende Art schilderte sie in vielen Gesprächen das Schicksal des polnischen Mädchens, das seiner Familie geraubt und „umerzogen“ wurde. Sie war keine, die über ihr Schicksal klagte – im Gegenteil sagte sie über sich: „Ich habe Glück gehabt, ich habe zwei Mütter“ – und beschrieb deren Liebe. Manchmal wurde aber spürbar, wie sehr ihre Geschichte sie dennoch belastete.
Als während der Corona-Einschränkungen nur digitaler Unterricht möglich war, war sie bereit, als erste Zeitzeugin im Bistum Mainz in Kooperation mit dem Maximilian-Kolbe-Werk digitale Gespräche mit Schulklassen zu führen.
Vor allem in den letzten Jahren appellierte Alodia vermehrt an ihre Zuhörerschaft, sich nicht von menschenverachtenden Ideologien verblenden zu lassen. Sie sah ihre Lebensaufgabe im hohen Alter darin, an die geraubten Kinder und deren Schicksale zu erinnern. Denn Schicksale wie ihres und der anderen geraubten Kinder sollten sich nicht wiederholen.
Sie stellte sich immer wieder für Film-Dokumentationen und Interviews für polnische, deutsche und internationale Produktionen zur Verfügung. 2022 nahm sie an einem Projekt für ein volumetrisches Zeitzeugen-Archiv der Filmuniversität Babelsberg in Potsdam teil, bei dem aus den Interview-Aufnahmen 3D-Bilder für Virtual Reality-Anwendungen generiert wurden.
Immer mehr Institutionen wurden auf ihr Schicksal aufmerksam. So nahm sie auch an einer Tagung der Zentralen Adoptionsstellen der Bundesländer in Mainz teil, mehrmals sprach sie an der Universität Mainz. Der Buchautor Reiner Engelmann verfasste 2019 eine bewegende Biografie zu Alodia Witaszek-Napierała und ihrer Familie. Im Januar 2020 war ihre Biografie Mittelpunkt einer Ausstellung zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, die an mehreren Orten in Mainz gezeigt wurde.
Von 2011 bis 2023 war sie über 40 Mal zu Gast zu Gesprächen mit Schulen im Bistum Mainz, in Köln, Freiburg und Sachsen. 2022 wurde Alodia Witaszek-Napierała für ihr unermüdliches Engagement als Zeitzeugin mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Mit Alodia Witaszek-Napierała verlieren wir eine wunderbare Freundin, die wir sehr vermissen werden. Gleichzeitig sind wir sehr dankbar, dass wir sie kennenlernen durften und viele schöne gemeinsame Tage miteinander verbringen konnten. Ihre Freundlichkeit und ihr feiner Humor werden uns immer in Erinnerung bleiben. Das Maximilian-Kolbe-Werk trauert um eine beeindruckende Persönlichkeit. Wir werden sie in unseren Gedanken und Herzen weitertragen, sie in unser Gebet einschließen und ihr ein ehrendes Gedenken bewahren.
Hinter uns liegen ereignisreiche Tage auf dem Katholikentag in Erfurt. Höhepunkt war das Zeitzeugengespräch mit dem Shoah-Überlebende Josef Salomonovic in der Predigerkirche. Der in der Tschechoslowakei geborene Salomonovic lebt heute in Wien. Er reiste auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werks zum Katholikentag nach Erfurt. In seinem einstündigen Vortrag nahm der 1938 geborene Salomonovic die Zuhörer mit auf die über vier Jahre dauernde, grausame Reise, die er als kleiner Junge erlebt hatte. Stets an seiner Seite war die Ehefrau Elisabeth, die die PowerPoint-Präsentation bediente und ihn unterstützte.

Josef Salomonovic
Detailliert und eindrücklich schilderte Josef Salomonovic seine Erinnerungen an das Ghetto Litzmannstadt, die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Stutthof und an ein Außenlager des KZ-Flossenbürg. Zwei Gegenstände aus dieser Zeit hat Josef Salomonovic mitgebracht: Einen Löffel und ein kleines Flugzeug. Der Löffel sicherte seine Ernährung und somit sein Überleben. Der zweite Gegenstand war ein kleines Flugzeug, das er bei der Befreiung von einem Amerikaner geschenkt bekommen hatte.

Am Stand des Maximilian-Kolbe-Werks
Weiterhin gab es zahlreiche Begegnungen an unserem Stand auf der Kirchenmeile. Ein herzlicher Dank gilt allen, die Interesse an unserer Arbeit zeigten.

Am Stand des Maximilian-Kolbe-Werks