
Werner Müller
1936 - 2025
Das Maximilian-Kolbe-Werk trauert um seinen langjährigen Mitstreiter, Werner Müller, der am 16. April 2025 im Alter von 89 Jahren in Köln verstorben ist.
Werner Müller war gemeinsam mit seiner Frau Margret über 30 Jahre lang eng mit dem Maximilian-Kolbe-Werk verbunden. Margret Müller begleitete 1994 in Köln eine Gruppe polnischer Überlebender. Im selben Jahr besuchte sie KZ- und Ghetto-Überlebende in Polen.
1996 begleiteten Margret und Werner Müller eine Gruppe von ukrainischen Holocaust-Überlebenden bei deren Besuch in Polen. Das MKW hatte die Ukrainer zur Begegnung mit polnischen Schicksalsgefährten nach Warschau und Krakau eingeladen. Einer der ukrainischen Teilnehmer, Pjotr Rabzewitsch, bat Werner Müller, nach dem deutschen Soldaten zu suchen, der ihn während des Krieges im Ghetto versteckt und ihm somit das Leben gerettet hatte. Müller fand die Witwe des Retters und dokumentierte das Schicksal Rabzewitschs in dem Buch "Aus dem Feuer gerissen. Die Geschichte des Pjotr Ruwinowitsch Rabzewitsch aus Pinsk." Herausgegeben und bearbeitet von Werner Müller, Dittrich Verlag, Köln 2001.
Ein anderer ukrainischer Gast war der Historiker Boris Zabarko, Vorsitzender der Ukrainischen Vereinigung der Holocaust-Überlebenden. Aus dieser Begegnung sollte sich in den Folgejahren eine intensive und fruchtbare Arbeitsbeziehung zwischen Werner Müller und Boris Zabarko und eine tiefe Freundschaft entwickeln. Müller unterstützte Zabarko bei der Übersetzung und Herausgabe einiger Werke über den Holocaust in der Ukraine für den deutschen Sprachraum. Neben einem immensen Zeit- und Arbeitsaufwand unterstützten Müllers die Finanzierung dieser Bücher durch Fundraising-Aktivitäten und über persönliche Finanzierungen. Die beiden wichtigsten Werke sind:
(1) Boris Zabarko (Hg.): Nur wir haben überlebt - Holocaust in der Ukraine. Zeugnisse und Dokumente. Dittrich Verlag, Köln 2004
(2) Boris Zabarko, Margret Müller, Werner Müller (Hg.): Leben und Tod in der Epoche des Holocaust in der Ukraine. Zeugnisse von Überlebenden, Metropol Verlag, Berlin 2019.
Um die Werke und den Holocaust in der Ukraine bekannter zu machen, organisierten Müllers Lesereisen mit Boris Zabarko in ganz Deutschland.
Parallel dazu pflegten Margret und Werner Müller intensive Kontakte zu Überlebenden in Polen. Über Jahre besuchten sie Betroffene zu Hause und dokumentierten deren Schicksale. Auf Bitten der damaligen Geschäftsführerin Elisabeth Erb übernahmen sie auch Korrespondenz mit polnischen Überlebenden. Darüber hinaus verfassten Margret und Werner Müller etliche Jahre den Weihnachtsbrief, den das Kolbe-Werk den Überlebenden nach Polen schickte.
Durch ihre Aktivitäten bauten Müllers lebendige Kontakte zu zahlreichen Überlebenden in Polen und zu deren Familien auf. Zwischen 1995 und 2019 schrieben Margret und Werner Müller rund 7.000 Briefe an KZ- und Ghetto-Überlebende nach Polen, aber auch nach Belarus und in die Ukraine.
Anlässlich des 25-jährigens Bestehens des MKW bearbeitete Werner Müller gemeinsam mit Elisabeth Erb die Anthologie von Zeitzeugenberichten "Maximilian-Kolbe-Werk (Hg.), Fragt uns, wir sind die letzten… Zeugnisse von Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrationslager und Ghettos." Freiburg 1998.
2006 gab Werner Müller die Erinnerungen des polnischen Auschwitz-Überlebenden Michał Ziółkowski „Ich war von Anfang an in Auschwitz“ für den deutschen Sprachraum heraus. Für das MKW bearbeitete er dieses Werk, das das MKW 2009 als Broschüre unter demselben Titel herausgab.
Werner Müller blieb in den Jahrzehnten seines Engagements ein selbstloser und bescheidener ehrenamtlicher Mitarbeiter, der kein Aufheben um seine Person machte. Sein Engagement und die Menschen, für die er sich einsetzte, standen für ihn im Vordergrund. Das Maximilian-Kolbe-Werk verneigt sich dankbar vor Werner Müller. Wir werden ihm in unseren Herzen ein ehrendes Andenken bewahren.


