Holocaust-Überlebende aus Litauen zu Besuch auf Schloss Bellevue

Zehn Überlebende des NS-Regimes, die auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werks zurzeit in Berlin sind, wurden am gestrigen Dienstag (11. Juni) von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen. Er begrüßte die aus Litauen kommende Gruppe auf Schloss Bellevue. Die Zeitzeugen waren in den Ghettos Kaunas, Vilnius, Minsk, Siauliai und im Lager Alytus interniert. 95 Prozent der jüdischen Bevölkerung von Litauen wurde in der Zeit der deutschen Besetzung ermordet.

Der Bundespräsident sagte in seiner Begrüßungsrede: "Ihr Besuch in Deutschland als Überlebende des Holocaust ist nicht selbstverständlich. Daher danke ich Ihnen für Ihr Kommen - es ist mir eine Ehre, Sie heute zu empfangen." Er versicherte den Zeitzeugen, dass ihm die Aufarbeitung der NS-Zeit und die Bewahrung der Erinnerungen ein wichtiges Anliegen ist. "Wir brauchen die Erinnerung, um die Zukunft friedlich zu gestalten." Vor dem Hintergrund der Verbrechen der Deutschen in Litauen ist es für ihn unverständlich, dass die Ghettos und Lager in Litauen nicht genauso bekannt sind, wie Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen. Gleichzeitig lobte er den Einsatz des Maximilian-Kolbe-Werks: "Ich danke dem Maximilian-Kolbe-Werk, dass es die Überlebenden unterstützt und den Kontakt zu ihnen aufrecht erhält."

Unter den Gästen war auch die Ghetto-Überlebende Sulamit Lev. Nonnen schmuggelten sie aus dem Ghetto und versteckten sie mit vierzehn weiteren jüdischen Kindern im Kloster. Sicherheitshalber tauften die Ordensfrauen die dreijährige Sulamit und gaben ihr den Namen eines verstorbenen litauischen Mädchens. "So habe ich gelernt, wie man als Christ betet - erst später brachte mich meine Großmutter in die Synagoge."