Die Überlebenden Henriette Kretz und Jozefa Posch Kotyrba trafen in der Woche vom 5. bis 8. Mai 2025 im Kloster Jakobsberg in Ockenheim jeden Vormittag Schülerinnen und Schülern und berichteten ihnen von ihrer Kindheit, die durch Verfolgung und Krieg geprägt war. Leider konnte Mieczyslaw Grochowski, ein 86jähriger Überlebender des Arbeitslager Lebrechtsdorf-Potulitz, krankheitsbedingt nicht wie geplant teilnehmen.

Jozefa Posch-Kotyrba beim Gespräch mit Schülerinnen der Maria-Ward-Schule Mainz
(c) Stephanie Roth
Die 86jährige Józefa Posch-Kotyrba erlebte als Kind die deutsche Besatzung Polens und die brutale Unterdrückung der Zivilbevölkerung. 1943 wurde die Familie verhaftet. Die Kinder wurden von der Mutter getrennt und über ein Jahr in verschiedenen Lagern interniert, zuletzt im Arbeitslager Lebrechtsdorf-Potulitz. Jozefa verlor beide Eltern und wuchs nach dem Krieg zunächst bei der Großmutter, später in einem Waisenhaus auf. Frau Posch-Kotyrba beeindruckte die Schüler*innen mit ihrer zugewandten, liebevollen Art und mit ihrer Stärke, die sie befähigt, von den schlimmsten Momente ihres Lebens zu berichten. Besonders berührt waren die Schüler*innen davon, dass Frau Posch-Kotyrba keinen Hass oder Verbitterung empfindet, sondern im Gegenteil die Schüler*innen aufforderte, sich gegen Unmenschlichkeit und Diskriminierung einzusetzen.

Henriette Kretz mit den Schüler*innen des Sebastian-Münster-Gymnasiums Ingelheim
(c) Sophie Heitzmann
Henriette Kretz aus Antwerpen stammt ursprünglich aus Lwiw in der heutigen Ukraine und erlebte während des Krieges die schrittweise Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung Galiziens. Zusammen mit ihrem Onkel ist sie die einzige Überlebende der Großfamilie, die überwiegend im Ghetto Lemberg und im Vernichtungslager Bełżec ermordet wurde. Frau Kretz berichtete von den menschenunwürdigen Lebensbedingungen im Ghetto und im Versteck. Nachdem die Familie mehrmals der Deportation entgehen konnte, wurde sie 1944 verraten und Frau Kretz musste als Kind die Erschießung ihrer Eltern miterleben. Sie appellierte an die Schüler*innen: "Lasst Euch nicht einreden, dass jemand anders für Euch entscheidet. Denkt selbst!"
An den Gesprächen nahmen insgesamt rund 530 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums am Römerkastell Alzey, des Elisabeth-Langgässer-Gymnasiums Alzey, der Rochus-Realschule Bingen, der Maria Ward Schule Mainz und des Sebastian-Münster-Gymnasiums Ingelheim teil.
Frau Kretz sprang bei der öffentlichen Abendveranstaltung in der IGS Kurt Schumacher in Ingelheim am Mittwoch, 7.5. für den erkrankten Mieczyslaw Grochowski, der zunächst für diese Veranstaltung angekündigt war, ein. Rund 300 Besucher*innen folgten gespannt der Erzählung. Die Allgemeine Zeitung berichtete am 11.5.2025 von der Veranstaltung.
Parallel zu den Zeitzeugengesprächen mit Frau Posch-Kotyrba und Frau Kretz führte das Bistum Mainz einen Workshop zum Thema "Weitergabe der Zeitzeugenerzählungen in der Zukunft" in Kooperation mit dem Verein Zweitzeugen e.V. durch. Die Teilnehmer*innen hatten so Gelegenheit, Frau Posch-Kotyrba und Frau Kretz zu ihrer Einschätzung bezüglich der Weitergabe ihrer Geschichten zu befragen.

Die beiden Zeitzeuginnen mit den Betreuer*innen und den Teilnehmer*innen des Workshops
(c) Stephanie Roth
Förderhinweise:



